Ultraverarbeitete Lebensmittel und das alternde Gehirn: Was eine Studie über neun Jahre nahelegt
Wirf einmal einen Blick auf die Verpackung von Keksen, einem Fertiggericht oder einer Limonade: Oft steht dort eine lange Zutatenliste mit Dingen, die du in deiner eigenen Küche nie verwenden würdest. Solche Produkte nennt man ultraverarbeitet, und für viele von uns machen sie einen großen Teil des Essens aus. Eine Studie, die in diesem Sommer im American Journal of Public Health erschien, ging der Frage nach, ob sie mit der geistigen Fitness im Alter zusammenhängen könnten.
Was die Forschenden gemacht haben
Das Team nutzte die Health and Retirement Study, eine große Befragung älterer Menschen in den USA. Untersucht wurden 5.370 Personen ab 50 Jahren, im Durchschnitt 64 Jahre alt. Zu Beginn füllte jede und jeder einen Fragebogen dazu aus, was üblicherweise gegessen wurde. Wer zu diesem Zeitpunkt bereits eine Demenz oder Gedächtnisprobleme hatte, wurde ausgeschlossen.
In den folgenden rund neun Jahren machten die Teilnehmenden alle zwei Jahre standardisierte Tests zu Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Anhand der Ergebnisse teilten die Forschenden sie in drei Gruppen ein: Denkvermögen im Normalbereich, leichte kognitive Beeinträchtigung ohne Demenz und Demenz. Dann verglichen sie die Menschen danach, wie viel ultraverarbeitete Lebensmittel sie zu Beginn angegeben hatten.
Was sie herausfanden
Verglichen mit dem Fünftel, das am wenigsten ultraverarbeitete Lebensmittel aß, hatte das Fünftel mit dem höchsten Verzehr ein um 58 Prozent höheres Demenzrisiko und ein um 46 Prozent höheres Risiko für eine leichte kognitive Beeinträchtigung. Das sind relative Unterschiede, nicht die Wahrscheinlichkeit, mit der ein bestimmter Mensch an Demenz erkrankt.
Auch umgekehrt zeigte sich ein Bild. Das Fünftel, das am meisten unverarbeitete oder wenig verarbeitete Lebensmittel aß, etwa frisches Obst, Gemüse und einfache Getreideprodukte, hatte ein um 41 Prozent niedrigeres Demenzrisiko und ein um 24 Prozent niedrigeres Risiko für eine leichte kognitive Beeinträchtigung als das Fünftel mit dem geringsten Verzehr. Die Forschenden berücksichtigten Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildung, Vermögen, körperliche Aktivität und Rauchen. Unter den untersuchten Lebensmittelgruppen stach verarbeitetes Fleisch hervor: Nur dort zeigte sich bei allen Ergebnissen ein höheres Risiko.
Was das bedeutet und was nicht
Das ist ein Zusammenhang, und so solltest du ihn auch lesen. Menschen, die viele ultraverarbeitete Lebensmittel essen, unterscheiden sich vielleicht in vielem, was kein Fragebogen ganz erfasst, etwa Einkommen, Zeit zum Kochen, Stimmung, Schlaf oder Gesellschaft bei Tisch. Die Studie kann nicht sagen, dass diese Lebensmittel Demenz verursachen oder dass eine andere Ernährung sie verhindert.
Die Forschenden nennen einige mögliche Wege, zum Beispiel Auswirkungen auf die Darmbakterien, auf oxidativen Stress oder auf Entzündungen, doch diese wurden in der Studie nicht geprüft. Es sind Ideen für künftige Arbeiten.
Die ehrlichen Grenzen
Die Autorinnen und Autoren nennen selbst mehrere Grenzen. Die Ernährung wurde aus dem Gedächtnis angegeben, was nie ganz genau ist, und nur einmal zu Beginn erfasst, sie muss also nicht widerspiegeln, wie die Menschen in den Jahren danach aßen. Der Fragebogen war nicht dafür gemacht, industrielle Verarbeitung zu messen, daher wurden die tatsächlichen Mengen möglicherweise unterschätzt. Das Denkvermögen wurde mit Tests im Stil einer Befragung erfasst und nicht durch eine vollständige Untersuchung bei einer Fachperson, deshalb können manche Menschen in der falschen Gruppe gelandet sein.
Dazu kommt die Möglichkeit einer umgekehrten Ursache. Allererste Veränderungen im Denken, zu klein, um sie zu bemerken, könnten beeinflussen, was Menschen essen. Die Forschenden schlossen Personen aus, die schon in den ersten zwei Jahren betroffen waren, aber das beseitigt das Problem womöglich nicht ganz.
Eine sanfte Art, damit umzugehen
Niemand muss sich wegen eines Kekses oder einer Pizza schuldig fühlen. Die Studie lädt eher zu einem kleinen, neugierigen Blick auf das Gleichgewicht im Einkaufskorb ein. Vielen fällt es leichter, etwas hinzuzufügen, als etwas wegzulassen: ein Stück Obst zum Morgenkaffee, einmal pro Woche eine selbst gekochte Gemüsesuppe, Naturjoghurt oder Nüsse statt eines abgepackten Snacks. Andere beginnen bei den Getränken, denn gesüßte Getränke gehörten in der Studie zu den größten Quellen ultraverarbeiteter Lebensmittel. Gemeinsam mit einer Freundin oder einem Enkelkind zu kochen kann aus der Umstellung eine Freude statt einer Regel machen. Das sind Ideen zum Ausprobieren, keine Ergebnisse der Studie.
Eine kleine, beständige Gewohnheit
Gesundheit fürs Gehirn entsteht meist aus vielen kleinen Dingen, die man regelmäßig tut, am Tisch, beim Spaziergang und im Kopf. Treeny ist genau auf diesem Gedanken aufgebaut. Die täglichen Übungen sind kurz und sollen Freude machen, und Flo, der Coach in der App, passt sie an deine Tagesform an. Es ist eine sanfte Möglichkeit, den Geist neben allem anderen Wichtigen zu beschäftigen. Treeny war nicht Teil dieser Studie und behandelt oder verhindert keine Krankheit.
Ein Hinweis zum Lesen dieses Artikels
Dieser Artikel beschreibt Forschung und ist keine medizinische oder Ernährungsberatung. Die Studie zeigt einen Zusammenhang und kann nicht belegen, dass ultraverarbeitete Lebensmittel Demenz verursachen oder dass weniger davon sie verhindert. Wenn du eine Erkrankung hast, regelmäßig Medikamente nimmst oder deine Ernährung stark umstellen möchtest, sprich zuerst mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder einer Ernährungsberatung. Wenn du dir Sorgen um dein Gedächtnis machst, sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt, die deine Situation kennen, wie es kein Artikel kann.
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